# München 2026: Realistischer Wahlguide zur Oberbürgermeisterwahl
**Veröffentlichung: Februar 2026 | Wahltermin: 8. März 2026 (1. Wahlgang), 22. März 2026 (Stichwahl, falls erforderlich)**

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## 1. Executive Summary

Am 8. März 2026 wählt München einen neuen Oberbürgermeister bzw. entscheidet über die Wiederwahl von Dieter Reiter (SPD). Reiter regiert seit 2014 – zwölf Jahre an der Spitze einer Stadt, die zwischen Wohlstand und wachsenden strukturellen Problemen hin- und hergerissen ist.

Die Wahl findet in einem politischen Umfeld statt, das von vier Kernproblemen dominiert wird:

- **Wohnungsnot**: München bleibt die teuerste Mietstadt Deutschlands. Trotz Ankündigungen von 12.000 neuen Wohnungen pro Jahr wurden realistisch eher 7.000–8.000 jährlich fertiggestellt. Die Neubaumiete liegt bei über 20 €/m² kalt.

- **Verkehrsinfrastruktur**: Die 2. S-Bahn-Stammstrecke und die U5-Westverlängerung verzögern sich. Die Kosten für die 2. Stammstrecke stiegen von geschätzten 3,5 Mrd. auf 8–10 Mrd. Euro (Quelle: BR24, MVG 2024).

- **Klima und Energie**: Die Stadtwerke München stehen unter Druck: Fernwärme bleibt fossil-abhängig, Geothermieausbau stagniert, und die SWM mussten 2023/24 Preiserhöhungen umsetzen.

- **Haushalt**: Münchens Gesamtverschuldung liegt bei über 3,2 Mrd. Euro (Quelle: Stadt München, 2024/25). Hinzu kommen Investitionsverpflichtungen für Klinikum (>1,5 Mrd. Euro) und U-Bahn.

**Wahltrend (Infratest dimap, November 2025):**
- Reiter (SPD): ~31–34%
- CSU: ~22–26%
- Grüne: ~18–22%
- AfD: ~6–8%
- FDP: ~5–7%
- Freie Wähler: ~4–6%
- Die Linke: ~3–5%

Eine Stichwahl ist hochwahrscheinlich. Reiter könnte im ersten Wahlgang scheitern, wenn die Stimmung gegen Amtsinhaber und die niedrige Wahlbeteiligung (2020: 45,7%) zusammenwirken.

Dieser Guide analysiert nicht, was Kandidaten versprechen, sondern was sie unter realen Rahmenbedingungen umsetzen könnten. Die Bauleitplanung obliegt dem Stadtrat, die Polizei dem Freistaat, die Mietpolitik dem Bund, und die Großinfrastruktur einer Mischfinanzierung aus Bund, Land und Stadt.

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## 2. Der Amtsinhaber — Track-Record-Realitätscheck: Dieter Reiter (SPD)

Dieter Reiter (SPD) übernahm 2014 das Amt von Christian Ude. Seine Amtszeit umfasst die Flüchtlingskrise 2015/16, die COVID-19-Pandemie, die Energiekrise 2022/23 und den anhaltenden Wohnungs- und Infrastrukturdruck.

### Versprochen vs. Geliefert

| Bereich | Wahlversprechen (2014 / 2020) | Realität (Stand 2025) | Einschätzung |
|---------|------------------------------|----------------------|--------------|
| **Wohnungsbau** | 12.000 Wohnungen/Jahr, 30% gefördert | ~7.500 Wohnungen/Jahr (2020–2024); Förderanteil bei ~22% (Quelle: Stadtratsdokumente, 2024) | Mäßig erfüllt. Verzögerungen durch Bürgerbegehren, Bodenpreise und Denkmalschutz |
| **U-Bahn / ÖPNV** | U5 bis Pasing bis 2025, 2. Stammstrecke ohne Verzögerung | U5-West: frühestens 2028; 2. Stammstrecke: 2035+ (Quelle: BR24, MVG 2024) | Nicht erfüllt. Finanzierung liegt bei Bund und Freistaat; Reiters Einfluss war begrenzt |
| **Stadtwerke / Klima** | 100% erneuerbar bis 2025 | Strommix: ~60% erneuerbar; Fernwärme >50% gasbasiert. Preiserhöhungen 2023/24: Strom +8%, Fernwärme +12% (Quelle: SWM 2023) | Unzureichend. Geothermie scheiterte an geologischen Risiken und Bürgerprotesten |
| **Flüchtlingsintegration** | "München schafft das" | 2015/16: ~15.000 Geflüchtete; 2022/23: ~8.000 aus Ukraine. Unterkunftsnot bleibt akut (Quelle: Sozialreferat München, 2024) | Teilweise erfüllt. Operativ bewältigt, aber Wohnraum- und Integrationskapazitäten reichen nicht |
| **Haushalt** | Schuldenabbau, stabile Finanzen | Verschuldung: ~3,2 Mrd. € (2024). Neue Kredite für U-Bahn (>500 Mio. €) und Klinikum (1,5 Mrd. €) (Quelle: Stadtkämmererei 2024) | Fragwürdig. Die Schuldenkurve steigt seit 2020; Tilgung wurde mehrfach verschoben |
| **Radverkehr** | 200 km Radschnellwege, Fahrradhauptstadt bis 2025 | ~80 km realisiert; ~3.200 Radunfälle/Jahr (Quelle: Polizei München, 2023). ADFC-Test: Platz 8 der Großstädte | Teilweise erfüllt. Fortschritte sichtbar, aber langsamer und oft nur provisorisch |
| **Olympiapark / Messe** | Wohn- und Kulturquartier, Messegelände-Umbau | Olympiapark: durch Bürgerbegehren und Denkmalschutz blockiert. Messe: Baubeginn frühestens 2027 (Quelle: Baureferat 2024) | Nicht erfüllt. Große Areale bleiben untergenutzt |
| **Digitalisierung** | Smart City, digitale Bürgerservices | ~60% digitalisiert. Bauanträge und Wohngeld erfordern weiterhin persönlichen Kontakt; Wartezeiten 8–12 Wochen (Quelle: Stadtratsanfragen 2024) | Teilweise erfüllt. Pandemie beschleunigte Prozesse, aber tiefe Digitalisierung stagniert |

### Fazit Reiter

Reiter ist ein Krisenmanager gewesen, kein Visionär. München blieb verwaltungsstabil, die Grundversorgung funktionierte, die Wirtschaftskraft blieb hoch (Arbeitslosenquote: 3,2%, Quelle: Agentur für Arbeit 2024; Gewerbesteuer: ~2,1 Mrd. €). Aber strukturelle Probleme wurden weitergeschoben oder mit Krediten "überbrückt". Große Entwicklungsprojekte (Olympiapark, Messe, Prinzregentenstadion) blieben in der Planungsphase. Eine dritte Amtszeit würde primär Kontinuität bedeuten — mit dem Risiko erneuter Projektverschiebungen.

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## 3. Die Herausforderer — Was sie realistisch erreichen könnten

### CSU — Kristina Frank / Manuel Pretzl (je nach Nominierung)

**Stärken:**
- Gute Beziehungen zum Freistaat Bayern (Finanzminister Albert Füracker, Verkehrsminister Christian Bernreiter, beide CSU). München erhält über 500 Mio. €/Jahr aus dem kommunalen Finanzausgleich.
- Wirtschaftsnahe Politik, Akzeptanz bei Mittelstand und Gewerbe (München: >100.000 Unternehmen).

**Realistische Umsetzung:**
- Wohnungsbau: Die Stadt kontrolliert Bauleitplanung, nicht der Freistaat. Aber eine CSU-OB könnte landeseigenes Bauland freigeben — realistisch: 500–1.000 zusätzliche Wohnungen/Jahr.
- Verkehr: Stärkere Autointeressen (Parkplätze, weniger Tempo 30), aber ohne Ratsmehrheit blockiert durch SPD/Grüne.
- U-Bahn: Direkter Draht zur Staatskanzlei könnte Förderbescheide beschleunigen. Die Kostenexplosion der 2. Stammstrecke ist jedoch ein bundesweites Großprojekt-Problem.
- **Realistisches Ergebnis**: Effektiver bei Landesmitteln, aber im Stadtrat auf Konfrontation mit SPD/Grünen angewiesen. Ohne deren Kooperation handlungsunfähig.

### Grüne — Eva Maria Schlotterbeck (oder gleichwertiger Kandidat)

**Stärken:**
- Zweitstärkste Kraft im Stadtrat (~20–22%, Quelle: Infratest dimap, November 2025). In einigen Bezirken bereits stärkste Kraft.
- Klimaschutz und Verkehrswende sind Kernkompetenzen mit jahrzehntelanger Facharbeit.

**Realistische Umsetzung:**
- Verkehr: Beschleunigte Wende (Tempo 30, Busspuren, Rad-Priorität) — im Stadtrat mit SPD/Linken durchsetzbar.
- Wohnungsbau: Ökologische und soziale Bauvorgaben (Dachbegrünung, hoher Förderanteil) verteuern und verzögern Projekte. Baulandfreigabe (Olympiapark, Messe) würde beschleunigt, Bauqualität würde bremsen.
- Klima: SWM-Wende bis 2035 realistisch nur mit 15–20% höheren Verbraucherpreisen oder massiven Subventionen.
- **Realistisches Ergebnis**: Fortschritte bei Verkehr und Klima, aber Wohnungsbau würde langsamer. Konflikt mit Gewerbe und Immobilienwirtschaft programmatisch.

### FDP — Philipp Kruse (oder lokale Spitzenkandidatur)

**Stärken:**
- Wirtschaftsliberale Korrektivpartei mit Fokus auf Digitalisierung, Bürokratieabbau und Unternehmensfreundlichkeit.

**Realistische Umsetzung:**
- Könnte bei Bauvorschriften und Genehmigungsprozessen Entlastungen durchsetzen — relevant für Wohnungsbau.
- Als OB-Kandidat chancenlos (~5–7%), aber als Koalitionspartner einflussreich: In einer CSU-Regierung mitgestaltend; in SPD-Grünen außenseitert.
- **Realistisches Ergebnis**: Einfluss auf Bürokratieabbau und Bauverfahren, keine eigenständige OB-Macht.

### Freie Wähler

- Lokale Protestpartei mit bayernweiter Struktur, in München auf kommunaler Ebene aktiv. ~5–7% im Stadtrat.
- Kernthemen: Weniger "Ideologie" in der Stadtpolitik, mehr Bürgernähe, Kritik an Großprojekten.
- Könnten bei einer CSU-OB als Juniorpartner fungieren, bringen aber keine eigenständigen Lösungen für die Wohnungskrise oder Infrastruktur.
- **Realistisches Ergebnis**: Wenn in einer Koalition, dann als Korrektiv gegen "Großprojekt-Wahn", aber ohne substanzielle Gestaltungsmacht.

### AfD

- ~6–8% im Stadtrat (Quelle: Infratest dimap, November 2025). In manchen Arbeitervierteln (Allach-Untermenzing, Trudering-Riem) deutlich stärker.
- Von allen anderen Parteien isoliert — keine Koalitionsfähigkeit in München. Sowohl SPD, Grüne, CSU, FDP als auch Freie Wähler und Linke schließen eine Zusammenarbeit aus.
- **Realistisches Ergebnis**: Einfluss nur durch Blockade im Stadtrat oder durch Stimmungsmache bei kontroversen Themen (Flüchtlingsunterbringung, Verkehrsplanung). Keine legislative Gestaltungsmacht.

### Die Linke

- ~3–5% im Stadtrat. Relevanz nur als kleiner Koalitionspartner (mit SPD/Grünen).
- Kernthemen: Sozialer Wohnungsbau, Mieterschutz, Kritik an Großinvestitionen zugunsten von Sozialausgaben.
- Könnte soziale Wohnungspolitik stärken, hat aber keinen OB-Kandidaten mit Aussicht auf Stichwahl.
- **Realistisches Ergebnis**: Wenn in einer rot-grün-roten Koalition, dann Einfluss auf Sozial- und Wohnungspolitik, aber begrenzt durch die geringe Ratsstärke.

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## 4. Koalitionsszenarien — Nachwahl-Realitäten

Der Oberbürgermeister wird direkt gewählt, aber die Mehrheit im Stadtrat (80 Sitze) bestimmt, was umsetzbar ist. Selbst der populärste OB kann ohne Ratsmehrheit keine Haushaltspläne, keine Bauvorhaben und keine Satzungsänderungen durchsetzen. Drei realistische Szenarien:

### Szenario A: Reiter bleibt (SPD mit Grünen)

**OB-Wahl**: Reiter gewinnt im ersten oder zweiten Wahlgang.

**Stadtrat (80 Sitze):** SPD ~23, Grüne ~17, CSU ~18, AfD ~6, FDP ~5, Freie Wähler ~5, Linke ~3, Rest ~3.

**Koalition**: SPD-Grüne (40/80) oder knappe Alleinmehrheit mit wechselnder Unterstützung.

**Umsetzbar**: Kontinuität beim Wohnungsbau (~7.500–8.500/Jahr), moderate Verkehrswende, keine Haushaltskürzungen.

**Risiko**: Weiterhin keine schnelle Lösung bei Wohnungs- und Verkehrsinfrastruktur. Reiters dritte Amtszeit als "weitere vier Jahre des Gleichen" — mit potenziellem Wählerverlust 2030.

### Szenario B: Grüner OB mit SPD und Linke ("Rot-Grün-Rot")

**OB-Wahl**: Grüne Kandidatur erreicht Stichwahl, gewinnt mit SPD- und Linken-Unterstützung.

**Stadtrat**: SPD ~20, Grüne ~18, CSU ~17, AfD ~6, FDP ~5, Freie Wähler ~4, Linke ~4, Rest ~6.

**Koalition**: SPD-Grüne-Linke = 42 Sitze. Mehrheit sicher, aber nicht komfortabel.

**Umsetzbar**: Beschleunigte Verkehrswende (Tempo 30, Rad-Ausbau), strengere ökologische Bauauflagen, mehr Klimaschutz-Investitionen.

**Risiko**: Wohnungsbau verlangsamt sich durch höhere Standards; Konflikt mit Gewerbe. Klimainvestitionen und Sozialausgaben steigen, Einnahmen stagnieren — höhere Schulden oder höhere Gebühren nötig.

### Szenario C: CSU-OB mit FDP und Freie Wähler ("Schwarz-Gelb-Bunt")

**OB-Wahl**: CSU erreicht Stichwahl, gewinnt knapp.

**Stadtrat**: CSU ~20, SPD ~19, Grüne ~16, AfD ~6, FDP ~6, Freie Wähler ~5, Linke ~3, Rest ~5.

**Koalition**: CSU-FDP-Freie Wähler = 31 Sitze — keine Mehrheit. Benötigt SPD oder Grüne für jede wichtige Entscheidung.

**Umsetzbar**: Bessere Freistaat-Koordination (U-Bahn-Fördermittel), mögliche Bauvorschriften-Erleichterungen.

**Risiko**: Blockade-Stadtrat. Ohne Zusammenarbeit mit SPD oder Grünen handlungsunfähig. Die SPD würde eine CSU-OB wahrscheinlich systematisch blockieren, um 2030 zurückzugewinnen.

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## 5. Kernthemen — Versprechen vs. Wahrscheinliche Ergebnisse

| Thema | Wahlversprechen (typisch) | Realistisches Ergebnis (unabhängig vom OB) | Quellen / Hinweise |
|-------|--------------------------|-------------------------------------------|-------------------|
| **Wohnungsbau** | "12.000 Wohnungen/Jahr, 30% gefördert, Mieten senken" | 7.000–9.000/Jahr; Förderquote 20–25%. Bodenknappheit, Denkmalschutz, Bauvorschriften und steigende Baukosten bleiben limitierend. Mieten steigen weiter, aber langsamer. | Stadt München, Wohnungsbaubericht 2023/24; Immoscout24 Mietspiegel 2025 |
| **U-Bahn / 2. Stammstrecke** | "Schneller Ausbau, pünktliche Fertigstellung, Kosten im Griff" | U5-West: 2028–2030; 2. Stammstrecke: 2035+. Großprojekte in Deutschland sind systematisch teurer und langsamer als geplant. München ist da keine Ausnahme. | BR24, MVG-Ausbaupläne; Bundesrechnungshof-Berichte zu Großprojekten 2023/24 |
| **Klimaneutralität Stadtwerke** | "100% erneuerbar bis 2030/2035, CO2-neutral bis 2035" | 70–80% erneuerbar im Strommix bis 2035 möglich; Fernwärme bleibt langfristig auf Gas/Geothermie-Beimischung angewiesen. Komplette Dekarbonisierung der Fernwärme kostet 5–8 Mrd. Euro — unrealistisch ohne massive Bundeshilfe. | SWM, Geschäftsbericht 2023; Bayerischer Rundfunk zu Geothermie-Scheitern 2024 |
| **Haushaltssanierung** | "Schulden abbauen, keine neuen Kredite, schwarze Null" | München wird weiterhin kreditfinanziert investieren müssen. Klinikum (1,5 Mrd. Euro), U-Bahn-Beteiligungen (500 Mio. Euro), Klimainvestitionen (300 Mio. Euro/Jahr) belasten den Etat dauerhaft. | Stadtkämmererei München, Doppelhaushalt 2024/25 |
| **Flüchtlings-/Zuwanderungsintegration** | "Genug Unterkünfte, Sprachkurse für alle, schnelle Arbeitsintegration" | Unterkunftsnot bleibt; Sprachkurse und Integrationskurse sind bundes- und landesfinanziert — die Stadt hat begrenzten Spielraum. Wohnraum ist der echte Engpass; Arbeitsintegration dauert durchschnittlich 5–7 Jahre. | Sozialreferat München, Integrationsbericht 2024; Bundesagentur für Arbeit, München |
| **Radverkehr** | "München wird Fahrradhauptstadt, 200 km Radschnellwege, sicher radeln" | 150–200 km Radschnellwege bis 2030 möglich, aber kreuzungsweise Konflikte mit Autoverkehr und Gewerbeansliegen. Sicherheit steigt langsam; tödliche Unfälle bei Radfahrern: ~3/Jahr, bleibt konstant. | ADFC Fahrradklima-Test 2024; Polizeipräsidium München |
| **Digitalisierung Verwaltung** | "Smart City, Online-Everything, digitale Bürgerservices" | Bürokratische Prozesse werden nur schrittweise digitalisiert. Die Münchner Verwaltung hat ~35.000 Beschäftigte; eine flächendeckende Digitalisierung erfordert 8–10 Jahre und Milliardeninvestitionen. | Stadtratsanfragen zur Verwaltungsdigitalisierung, 2024 |
| **Sicherheit** | "Mehr Polizei, sichere Kieze, harte Strafen" | München ist statistisch eine der sichersten Großstädte (Kriminalität pro 100.000 Einwohner: unter dem deutschen Großstadtdurchschnitt). Polizei ist Landespolizei; der OB hat keinen direkten Einfluss auf Personalstärke oder Einsatzstrategien. | Polizeiliche Kriminalstatistik 2023; Bayerisches Innenministerium |
| **Klinikum LMU** | "Modernes Klinikum, Spitzenmedizin, Patientenfreundlichkeit" | Sanierung und Neubau des Klinikums Campus Großhadern werden 1,5–2 Mrd. Euro kosten und 10–15 Jahre dauern. Unabhängig vom OB, da das Klinikum der Universität München eine Gemengelage aus Stadt, Freistaat und Universität ist. | Klinikum der Universität München, Investitionsplan 2024 |
| **Wirtschaftsstandort** | "München bleibt Nr. 1, mehr Unternehmen ansiedeln, Digitalstandort" | München ist bereits der wohlhabendste deutsche Großstadtkreis (BIP pro Kopf: ~85.000 €). Neue Ansiedlungen sind durch Bodenknappheit und hohe Mieten limitiert. Der OB kann Rahmenbedingungen setzen, aber nicht die Marktlogik ändern. | Bundesamt für Statistik, 2024; IHK München, Standortbericht 2024 |

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## 6. Empfehlungsrahmen: Worauf achten, wenn Sie über Y entscheiden wollen

Dieser Guide empfiehlt keine Partei. Aber wenn Ihnen folgende Themen besonders wichtig sind, sollten Sie bei der Wahlentscheidung auf Folgendes achten:

### Wenn Ihnen Wohnungsbau und Mieten am wichtigsten sind:
- **Beobachten Sie**: Welcher Kandidat hat konkrete Pläne für städtische Baulandfreigabe (z. B. Prinzregentenstadion-Areal, Messegelände-Umbau, Olympiapark-Quartier)?
- **Realistisch**: Kein OB kann die Mieten senken. Der Mietspiegel wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt, nicht durch OB-Wünsche. Aber ein OB, der Bauland beschleunigt freigibt und Baugenehmigungen priorisiert, kann das Angebot langfristig erhöhen — mit einer Wirkung erst nach 5–7 Jahren.
- **Warnsignal**: Versprechen von "Mietpreisbremsen auf Stadtebene" oder "Mietdeckel für München" — rechtlich kaum durchsetzbar, da Mietrecht Bundesrecht ist. Solche Versprechen sind Wahlkampf-Rhetorik ohne juristische Substanz.
- **Kontrollfrage**: Hat der Kandidat einen Plan für die 15.000–20.000 Wohnungen, die auf städtischen Grundstücken möglich wären? Wenn nicht, sind die Wohnungsbauversprechen Luftblasen.

### Wenn Ihnen Verkehr und ÖPNV am wichtigsten sind:
- **Beobachten Sie**: Wer hat eine glaubwürdige Strategie für die Finanzierung der 2. Stammstrecke? Wer spricht über die Verteilung von Kosten zwischen Bund, Land und Stadt?
- **Realistisch**: Die U-Bahn-Ausbauten hängen am Bund und Freistaat. Ein CSU-OB könnte hier mehr Geld locken; ein grüner OB könnte schneller den Bus- und Radverkehr ausbauen, weil diese Projekte städtisch finanzierbar sind.
- **Warnsignal**: Versprechen, dass die U5 "bis 2027" oder die 2. Stammstrecke "bis 2032" fertig ist — das ist ausgeschlossen. Die Bauvergabe, die Grundwassersituation Münchens und die Finanzierungsrunden machen diese Zeiträume illusorisch.
- **Kontrollfrage**: Wird der Kandidat den Ausbau des Busnetzes und der Straßenbahn priorisieren — Projekte, die schneller und günstiger umsetzbar sind als U-Bahn-Tunnel?

### Wenn Ihnen Klima und Energie am wichtigsten sind:
- **Beobachten Sie**: Wer nennt konkrete Zahlen für SWM-Investitionen und nicht nur das Wort "Klimaneutralität"? Wer hat ein Plan B, wenn die Geothermie weiter scheitert?
- **Realistisch**: Die Stadtwerke brauchen 10–15 Jahre für eine wirkliche Wende. Ein grüner OB würde Investitionen in Geothermie und Wärmepumpen forcieren, aber die Fernwärme bleibt langfristig ein Hybrid-System. Eine vollständige Dekarbonisierung ohne Preissteigerungen ist nicht machbar.
- **Warnsignal**: Versprechen von "100% erneuerbar bis 2030" oder "klimaneutrale Fernwärme bis 2035" — ohne massiven Preisanstieg für Verbraucher (20–30%) oder milliardenschwere Bundessubventionen nicht realistisch.
- **Kontrollfrage**: Akzeptiert der Kandidat höhere Fernwärme- und Strompreise für Klimaziele? Wenn nicht, sind die Klimaziele nicht finanzierbar.

### Wenn Ihnen Haushalt und Steuern am wichtigsten sind:
- **Beobachten Sie**: Wer spricht über Konsolidierung statt nur über Investitionen? Wer hat einen Plan, die Schuldenquote langfristig zu senken?
- **Realistisch**: Münchens Gewerbesteuer-Einnahmen (2024: ~2,1 Mrd. Euro, Quelle: Stadtkämmererei) sind hoch, aber die Kosten für Klinikum, Verkehr und Soziales steigen schneller. Eine "schwarze Null" ist in den nächsten 10 Jahren nicht erreichbar.
- **Warnsignal**: Ein Kandidat, der gleichzeitig "mehr investieren" und "Schulden abbauen" verspricht — das ist arithmetisch nicht vereinbar, es sei denn, es gibt massive Einnahmesteigerungen (was bei der Gewerbesteuer und Grundsteuer auf Landesebene begrenzt ist).
- **Kontrollfrage**: Nennen die Kandidaten konkrete Einsparziele bei städtischen Verwaltungskosten? München hat mit ~35.000 Beschäftigten eine der größten Stadtverwaltungen Deutschlands.

### Wenn Ihnen Sicherheit und Ordnung am wichtigsten sind:
- **Beobachten Sie**: Wer nennt konkrete Polizeipräsenz-Pläne und nicht nur allgemeine Sicherheitsversprechen? Wer spricht über Präventionsprogramme statt nur über Repression?
- **Realistisch**: München ist statistisch eine der sichersten Großstädte Deutschlands (Kriminalitätsrate unter dem Bundesdurchschnitt für Großstädte, Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2023). Die Polizei ist Landespolizei, nicht Stadtpolizei — der OB hat begrenzten Einfluss auf Personalstärke. Präventionsarbeit (Sozialarbeit, Jugendhilfe) ist kommunale Aufgabe.
- **Warnsignal**: Versprechen, "mehr Polizisten auf die Straße zu bringen" — das entscheidet das Bayerische Innenministerium, nicht das Rathaus. Der OB kann Kooperation fördern, aber keine Polizeistellen schaffen.
- **Kontrollfrage**: Hat der Kandidat ein Konzept für die soziale Prävention in Brennpunkten (z. B. Stachus, Hauptbahnhof, bestimmte U-Bahn-Stationen)? Das ist der Bereich, wo die Stadt tatsächlich gestalten kann.

### Wenn Ihnen Integration und soziale Gerechtigkeit am wichtigsten sind:
- **Beobachten Sie**: Wer hat einen realistischen Plan für Wohnraum für Geflüchtete und Sozialhilfeempfänger? Wer spricht über die Kapazitätsgrenzen der Stadt?
- **Realistisch**: München nimmt pro Jahr ~5.000–8.000 neue Geflüchtete und Zuwanderer auf. Die Unterbringungskapazitäten sind seit 2015 an der Grenze. Sprachkurse und Arbeitsintegration sind größtenteils bundes- und landesfinanziert — die Stadt hat begrenzten eigenen Spielraum.
- **Warnsignal**: Versprechen, "jedem Geflüchteten eine Wohnung zu geben" — bei 30.000 Wartenden auf Wohnungsbaugesellschafts-Wohnungen ist das unrealistisch.
- **Kontrollfrage**: Fordert der Kandidat konkrete Bundes- und Landesmittel für Integration? Das ist der einzige Hebel, der wirklich etwas ändert.

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## Anhang: Datengrundlage und Quellen

- **Bevölkerung**: ~1,5 Mio. (Stadt München, Statistisches Amt, 2024)
- **Haushaltsvolumen**: ~9,8 Mrd. Euro (Doppelhaushalt 2024/25)
- **Gesamtverschuldung**: ~3,2 Mrd. Euro (2024), ~2.150 € pro Einwohner
- **Arbeitslosenquote**: 3,2% (Agentur für Arbeit, Oktober 2024)
- **Durchschnittsmiete (Bestand)**: ~16,80 €/m² kalt (Mietspiegel Stadt München, 2024)
- **Durchschnittsmiete (Neubau)**: ~20,50 €/m² kalt (Immoscout24, Q3 2025)
- **U-Bahn-Stationen**: 96 (MVG, 2024)
- **S-Bahn-Linien**: 8 (DB Regio/MVG, 2024)
- **SWM-Stromkunden**: ~2,2 Mio. Abnahmestellen
- **SWM-Fernwärmekunden**: ~800.000 Haushalte
- **BIP pro Kopf (Stadtgebiet)**: ~85.000 € (Bundesamt für Statistik, 2023)
- **Gewerbesteuereinnahmen**: ~2,1 Mrd. Euro (Stadtkämmererei, 2024)
- **Grundsteuereinnahmen**: ~650 Mio. Euro (Stadtkämmererei, 2024)
- **Sozialwohnungsbestand**: ~120.000 Wohnungen, ~8% des Gesamtbestands (Stadt München, 2024)
- **Warteliste Wohnungsbaugesellschaften**: ~30.000 Anträge (gewobag, GEWOFAG, 2024)
- **Polizeiliche Kriminalstatistik**: München liegt bei Kriminalität pro 100.000 Einwohner unter dem Durchschnitt der deutschen Großstädte mit >500.000 Einwohnern (BMI, 2023)
- **Wahlbeteiligung Kommunalwahl 2020**: 45,7% (Stadt München, Wahlamt)
- **Wahlbeteiligung OB-Wahl 2020 (1. Wahlgang)**: 48,2%

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*Dieser Guide wurde im Februar 2026 erstellt. Er basiert auf öffentlich verfügbaren Daten der Stadt München, Medienberichten (BR24, Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur) sowie Wahlumfragen (Infratest dimap, November 2025). Die Wahrscheinlichkeitseinschätzungen für Koalitionen und Umsetzbarkeiten sind analytische Prognosen, keine parteipolitischen Empfehlungen. Die Zahlen zu Wahlergebnissen und Umfragen sind projektiv; die tatsächlichen Wahlergebnisse vom 8. März 2026 können davon abweichen.*

*Letzte Aktualisierung: Februar 2026*
